Sonderzahl Verlag

Gründung
»Die Postmoderne hat er überlebt. Seine philosophisch-zeithistorischen Auseinandersetzungen mit der österreichischen Wirklichkeit sind längst zu einem festen Bestandteil des kritischen Diskurses in unserem Land geworden. Wie wenigen anderen Verlagen ist es dem Sonderzahl-Verlag über die Jahre gelungen, ein unverwechselbares Profil aufzubauen. Die Kontur dazu bildete der Essay, inhaltlich füllen ihn bekannte liberale Denker wie Konrad Paul Liessmann, Wendelin Schmidt-Dengler und Rudolf Burger auf.«

»Begonnen hat alles mit der Beharrlichkeit von Dieter Bandhauer. Er wollte partout die in Österreich vernachlässigte Form des literarischen Essays hinter Buchdeckel bringen. Zwischen politischem Sachbuch, wissenschaftlichen Forschungspublikationen und der hehren Form des Literarischen ortete Bandhauer eine Denk- und Marktlücke. Sprachliches Formbewußtsein und sachliche Fundierung bilden seither die Grundlage der allermeisten Sonderzahl-Titel.«

Namensgebung
»Die effektive Gründung des Verlages im Jahre 1984 ließ auch die Frage der Namensgebung virulent werden.« Der Verlag sollte eben nicht nach einem der Eigentümer benannt werden – und keine wie immer geartete Programmatik verraten.
»Dieter Bandhauer entschied sich, die dazu notwendige Phantasie im Bekanntenkreis einzuholen. Ein Brief mit der Bitte um Namenvorschläge erging an die geistig nächsten Angehörigen. Und die Antwortkarte einer Freundin enthielt den Begriff ›Sonderzahl‹. Ein Projekt war geboren.« Gerade weil das Wort Sonderzahlkeine Bedeutung hatte, konnte man unbelastet daran gehen, den Namen mit Inhalt zu füllen.
Dass in Österreich Mitte der 1980er Jahre (Gründungsjahr: 1984) nicht gerade ein wohlwollendes Klima bezüglich der Gründung von Unternehmen herrschte, lässt sich an einer Episode – die im nachhinein auch als nette Anekdote bezeichnet werden kann – bezüglich der Namengebung des Sonderzahl Verlages belegen. Eine Firma, die nicht den Familiennamen des Eigentümers oder einen sogenannten Phantasienamen, der Rückschlüsse auf die Geschäftstätigkeit des Unternehmens zulässt, tragen sollte, weckte offensichtlich das Misstrauen der für Unternehmensgründungen zuständigen Gremien in der Wirtschaftskammer. Sonderzahl als Verlagsname wurde vorerst einmal nicht zugelassen. Erst nach Intervention und persönlicher Vorsprache konnte der zuständige Funktionär unter Aufbietung aller zur Verfügung stehenden rhetorischen Tricks zum Einlenken bewegt werden. Also doch Sonderzahl.

Essay
Klar war aber von allen Anfang an, dass die literarische Zwischenform des Essays im Mittelpunkt der Überlegungen stehen sollte. Der Essay als Medium des Intellektuellen, der sich zur Produktion von kritischem Reflexionswissen selbst beauftragt hat. Der Essay als Medium der Ungleichzeitigkeit: gesellschaftliche und kulturelle Phänomene, die zum Stillstand gekommen sind, wieder in Bewegung zu setzen, oder aber Phänomene, die allzu offensichtlich dem Mainstream und dem Zeitgeist entsprechen, dem Lauf der Zeit zu entreißen.

Österreichische Identität/ Zeitgeschichte
Seit Beginn der 1990er Jahre bildet die kritische Auseinandersetzung mit der österreichischen Identität und Zeitgeschichte einen weiteren wichtigen und sicherlich den publikumswirksamsten Schwerpunkt des Sonderzahl-Programms. So mancher Traktat in Rudolf Burgers Essaybänden Abstriche und Überfälle, Wolfgang Kos’ Eigenheim Österreich, Konrad Paul Liessmanns Der gute Mensch von Österreich und Robert Menasses mittlerweile vierbändiges Essaywerk haben die Situation in Österreich nicht bloß reflektiert, sondern sind ihrerseits politisch wirksam geworden. Menasses Sozialpartnerschaftliche Ästhetik, Das Land ohne Eigenschaften und Dummheit ist machbar sind gewissermaßen zu politischen Kategorien geworden.

Film/Kino
Die Filmbuchreihe hat sich die Beschäftigung mit Filmanalyse, Filmtheorie und mit den Arbeiten österreichischer Filmemacher zur Aufgabe gestellt.
»Gesicht im Kino« ist der zuletzt erschienene Titel die Filmtheorie betreffend.
Portraitreihe: Marc Adrian, Dietmar Brehm, Michael Haneke, Fritz Lehner, Gustav Deutsch (Film ist)

Literaturwissenschaft
Wendelin Schmidt-Dengler bescherte mit seinem Buch über Thomas Bernhard Der Überteibungskünstlerdem Sonderzahl Verlag nicht nur einen seiner ersten Erfolge, sondern war als Vermittler von Autoren nicht ganz unbeteiligt am Entstehen eines literaturwissenschaftlichen Schwerpunkts. Wie es sich für das bescheidene Genre der Sekundärliteratur ziemt, seien an dieser Stelle nicht die Autoren bzw. Herausgeber angeführt, sondern die Dichter, die zum Gegenstand der Betrachtung geworden sind: Ernst Fischer, Marianne Fritz, Gert Jonke, Werner Kofler, Hans Lebert, Friederike Mayröcker, Robert Musil, Andreas Okopenko, Reinhard Priessnitz, Peter Rosei, Walter Serner u. a. All diesen Büchern ist gemein, dass sie von ihrem Selbstverständnis her den Leser nach der Lektüre auffordern weiterzulesen – vielleicht aus so manch neuem Blickwinkel die Primärtexte nochmals oder erstmals zu lesen. Denn was für das Sehen gilt, gilt auch für das Lesen: Man liest nur, was man weiß.

Kurswechsel
Der »Kurswechsel«, die »Zeitschrift für gesellschafts- wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen«, erscheint seit 1993 vierteljährlich bei Sonderzahl.

 

verlag@sonderzahl.at

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