Im Mittelpunkt der Verlagsarbeit der Edition Curt Visel steht das künstlerisch gestaltete Buch, eine wenig betrachtete und unterschätzte Kunst. Als „Kleinverleger par excellence“ (Eberhard Thieme, 1974) hat sich Curt Visel zum Ziel gesetzt die Buchkultur zu dokumentieren und zu fördern.
Im November 1963 gründete Curt Visel den Verlag „llustration 63“, der später in Verlag Curt Visel und schließlich in „Edition Curt Visel“ umbenannt wurde. Die Zeitschrift ILLUSTRATION 63 stieß in der Fachwelt auf ein positives Echo, so daß Curt Visel sein Verlagsprogramm erweiterte. Künstlermonographien, Originalgraphik-Kalender, Mappenwerke und Sonderdrucke kamen hinzu; 1973 schließlich die zweite Zeitschrift GRAPHISCHE KUNST.
Beide Zeitschriften schlagen Brücken zwischen Künstlern und Kunstfreunden, zwischen Tradition und Gegenwart und zwischen Buchkunst und Graphik verschiedener Nationen. Führende Bibliotheken, Museen, Institutionen und Privatsammlern in allen fünf Erdteilen zählen zu den Abonnenten. Deutsche Buchkunst und Graphik ist damit in wichtigen Kulturzentren der Welt präsent.
Das Verlagsprogramm reicht von den Zeitschriften ILLUSTRATION 63 und GRAPHISCHE KUNST über illustrierte Bücher, Bücher mit Originalgraphik über Pressendrucke, Zeichner-Bücher, Künstlermonographien und Werkkatalogen bis zum jährlichen Originalgraphik-Kalender, in dem jeweils 13 Künstler mit Ihren Originalgraphiken vertreten sind.
Seit Anfang 2002 ist Jürgen Schweitzer Inhaber der Edition Curt Visel.

Ich habe mich mit einem Thema beschäftigt, das in der Kunstgeschichte bisher nicht beachtet worden ist, nämlich den grundlegenden Wandel im Wesen der Kunst in den letzten zweihundert Jahren. Die alte Kunst war ihrem Wesen nach Herrschaftskunst. Die Künstler, auch die großen, waren Diener der Mächtigen und versorgten sie mit den unentbehrlichen Prunkstücken, mit denen sich höfischer Glanz, Macht und der Anspruch auf die Ehrfurcht der Untertanen beweisen und Herrschaft festigen ließen. Heute sind die Künstler autonom. Sie dienen niemanden, werben sehnsüchtig um die Zuwendung des Publikums und um dessen Spaß an ihren Werken. Die neue Kunst ist ihrem Wesen nach hedonistisch.
Dieser Wesenswandel vollzog sich im Geiste der Aufklärung und unter dem Druck der Französischen Revolution im 19ten Jahrhundert noch schleichend und im 20sten Jahrhundert rasant. Die Werte, die die alte Kunst groß machten, ihre Schönheit, ihre Würde, ihre handwerkliche Vollendung, gingen Stück um Stück verloren. Heute werden die alten Kunstwerke in Museen als Kostbarkeiten gehütet oder, wenn es Bauwerke sind, unter Denkmalschutz gestellt oder nach Kriegsverlusten sorgfältig rekonstruiert, weil es keine neuen Werke gibt, die sie ersetzen könnten. Der Kunsttourismus lebt von der Bewunderung und Verehrung der alten Kunst.
Auch wenn uns die Einsicht nicht gefällt: Ohne die ständische Gliederung der Gesellschaften hätte es die große alte Kunst nicht gegeben, und zwar weltweit. Und dies nicht erst seit geschichtlichen Zeiten, sondern weit vor Tutenchamun schon tief in der Steinzeit. Dafür gibt es plausible evolutionäre Gründe. Vielleicht war die früheste Steinzeitkunst das Vehikel für den Einzug des Geistes in das menschliche Gehirn.
In meinem Buch „Die Kunst ist tot“ habe ich den evolutionären Ursprung der Kunst als Rangmerkmal, ihren Aufstieg in die Hybris fürstlicher und priesterlicher Machtrepräsentation und ihren Absturz in den intellektuellen Hedonismus der Gegenwart dargestellt.