Erik Sam Springer / Seelentherapie © oder : wer hoch fliegt – fällt auch tief / Leseprobe

Exposé:

 

Der  aufstrebende,  junge  Walden  Zoller  erleidet
Schiffbruch in seiner Vita.
Angetrieben von Frust,  Zweifeln und Ängsten sucht  er
Rat und Unterstützung bei einem Psychologen, damit er
wieder auf die richtige Spur des Lebens zurückfindet.
Während  seiner  Reise  erzählt  Walden  über  seinen
persönlichen  Werdegang,  seine  familiäre  Geschichte,
seine  Liebschaften  und  wie  er  sich  momentan  selbst
sieht.
Walden gibt  dem Doktor außerdem Anhaltspunkte,  was
er  sich von den Sitzungen mit  ihm erhofft  und wer  er
nach Abschluss der Therapie sein möchte.

 

 

Leseprobe:


Kapitel I: Waldens privater, schulischer und
beruflicher Werdegang


Hey Doc, ich möchte mich kurz vorstellen, mein Name ist
Walden Zoller, eigentlich bin ich nur ein stinknormaler
Mann, der kurz vor seinem 30. Geburtstag steht. Ich bin
weder sonderlich reich noch außerordentlich sexy.
Besondere Begabungen hab ich an mir auch noch nicht
feststellen können, ein Workaholic bin ich auch nicht –
nein, ich bin eher ein Lebemann…Freizeit kann man
nicht genug haben, oder habe ich da einen Trend
verpennt?
War auch niemals der Ladykiller, der jeder Typ gerne sein
würde, aber das musste ich auch gar nicht sein. Warum
ich dennoch Erfolg bei den Damen hatte und habe, liegt
an meinem Charme, den Umgangsformen da ich ein
Kavalier der alten Schule bin. Doch eines das war ich
immer – ehrlich. Das Problem an der Ehrlichkeit ist
einfach, dass man sich damit nicht allzu viele Freunde
macht, außer bei den Menschen, welche jenes Prädikat
tatsächlich verdient haben.
Aufgewachsen bin ich in einer Stadt mit dem schönen
Namen Rosenheim…Ich war der Erstgeborene meiner
Eltern, Erich und Monique, welche alles führten aber
beileibe keine harmonische und glückliche Ehe. Schläge
für Mutter und mich gehörten zu den beliebtesten
Freizeitaktivitäten meines Vaters. Ja, ich weiß ihr werdet
jetzt denken, immer diese Alkoholiker und ihre
Aggressivität – nein, Dad war nie ein Alki aber er war mit
seinem Leben immer unzufrieden, weil er nie erreicht hat,
was er sich vorgenommen hatte. Der Grund seines
Scheiterns waren meine Mum, da sie sehr ehrgeizig war
und alle ihre Träume und Ziele verwirklichen konnte, die
sie sich gesteckt hatte. Der zweite Grund war ich, denn
ich war ein „Unfall“ und hinderte Erich daran, sein Leben
und seine Jugend genießen zu können. Genauso war ich
auch hinderlich, dass er seinen beruflichen Aufstieg
forcieren konnte.  Alles in Allem waren Monique und ich
einfach die besten Ventile um seiner Aggression freien
Lauf zu lassen. Letztlich muss ich jedoch festhalten, dass
ich heute keinen Hass mehr hege gegen diesen
Menschen, der sich Vater nennt, sondern vielmehr
Mitleid…
Ja, Freund der Sonne, was gibt es groß zu mir zu sagen:
Aufgewachsen bin ich  größtenteils in der Obhut meiner
Mutter, mit drei kam ich in den Kindergarten um mit
sieben in die Schule überführt zu werden. Schulisch war
ich eigentlich recht erfolgreich zumindest in den Klassen
eins bis vier. Notentechnisch hätte ich es auf das
Gymnasium geschafft, aber mein Lerneifer war nicht
wirklich der Größte  – ok, ich war stinkfaul – und so führte
mein Weg auf die Realschule…auch hier konnte mich der
Arbeitseifer nicht packen und so machte ich die mittlere
Reife mit einem Notendurchschnitt von 2,9.   Ich finde für
einen Dauerurlaub, welchen ich mir  in den Klassen 5-10
verordnet hatte, ist das doch noch relativ passabel 
Und abgesehen davon war es mir sowieso wichtiger,
dass weibliche Geschlecht zu studieren und meinen
Charme spielen zu lassen. Ebenso war es meine
Berufung der Klassenclown zu sein und das Sprachrohr
für die Klassengemeinschaft, daher war ich mit meinem
Notendurchschnitt im Abschlusszeugnis doch mehr als
recht zufrieden.
Apropos Schule… anzumerken ist jedoch, dass ich die 8.
Klasse wiederholen musste, da ich es nicht für sinnvoll
erachtete, Mathematik und Physik zu pauken. Im darauf
folgenden Schuljahr musste ich die Realschule wechseln,
da ich meiner Klassenleitung lautstark und sehr
eindringlich meine Meinung, mit den Worten  „ Frau
Rampf, mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch!“ ,einverleibte.
Wie Sie erkennen können, Doc…meine Meinung hielt ich
nicht hinter vorgehaltener Hand zurück…aber mit den
Konsequenzen konnte ich meist gut leben.
Anschließend meinte Monique ich solle doch ruhig über
den zweiten Bildungsweg mein Abitur nachholen, da ich
es ihrer Meinung nach in der Birne hätte, aber mein
Lerneifer irgendwie nicht mit meinem Geistesvermögen
konform gehen wollte – bislang.
Was tut ein junger, aufstrebender Rebell natürlich:
Muttern redet Quatsch…so entschied ich mich für eine
Berufsausbildung zum Bürokaufmann…ja das waren
auch wieder 3 Jahre ohne Stress und wirklicher
Belastung für mich, meinen Gesellenbrief habe ich eher
schlecht als recht gemacht – aber wen interessiert es.
Hmmm, falscher Gedankenansatz, als Dankeschön für
meine „Nichtleistung“ durfte ich die Firma nach der
Ausbildung verlassen, da der Chef sich weit mehr von
mir erwartet hatte.
Da ich aber rhetorisch immer schon sehr gewannt war,
stellte es kein Problem dar gleich einen Job in einem
anderen Büro zu ergattern. Dies war jedoch sehr
kurzweilig.  Zum  Einen weil ich mich in dieser Firma
nicht wohlgefühlt habe und zum Anderen, der
Geschäftsführer alles in mir sah – nur keinen geeigneten
Bürokaufmann. Nachdem dieses Arbeitsverhältnis in
beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde stellte
sich zum erneuten Male die Frage : Was tun?
Im Hinterkopf waren mir Mutters Worte, du hättest das
Zeug Abitur zu machen…ja diesmal tat ich es. So machte
ich erst einmal mein Fachabitur und anschließend dann
mein Vollabitur, jedoch beide Male mit eher
mittelprächtigem Erfolg – aber ich habe es wenigstens
hinbekommen. Hier konnte ich mir den Vorwurf des
mangelnden Eifers nicht gefallen lassen, es fiel mir
tatsächlich schwer mit dem Lernstoff starke Ergebnisse
zu erreichen – aber ich hatte jetzt das Abitur!
Tja, was also macht der Kerl nach dem Abitur? Gute
Frage, ich weiß es nicht… Mein  Traumstudium war
Sportjournalismus, denn Sport bereicherte mein Leben
und ich war die Sportbibel in Person…jedoch scheiterte
das Studium an meinem NC und für die Privatakademien
hatte ich die nötigen Peanuts pro Semester nicht, denn
wo sollte ich 4000 Euro hernehmen? Somit musste ich
diesen Traum schnell begraben.
Es wurde mir empfohlen Lehramt zu studieren für
Deutsch und Geschichte, da ich angeblich gut mit
Kindern könne und sehr geduldig sei. Auch der Zugang
zu den Menschen fiele mir sehr leicht, dass hieß es von
meinen Großeltern und von Mum.
Schön dachte ich mir, ihr haltet ja offensichtlich sehr viel
von mir – aber Lehrer nein, Walden, du bist kein Lehrer
und wirst es auch nie sein. Abgesehen davon wollte ich
niemals in die Fußstapfen Moniques treten, da diese zum
Einen viel zu groß für mich waren und zum Anderen
verfolgte ich einen ganz anderen Weg.
So ließ ich es mit dem Studium sein und entschied mich,
aufgrund der Tatsache, das ich gerne Menschen um mich
hatte für ein Praktikum im Krankenhaus als
Krankenpfleger. Dieses gefiel mir wirklich sehr gut, und
hier bekam ich die Wertschätzung die ich oftmals in
meinem Leben vermisst hatte.
Angestachelt vom Praktikum bewarb ich mich umgehend
um eine Lehrstelle als Gesundheits- und
Krankenpfleger . In drei Häusern bekam ich die Zusage,
entschied mich dann aber für das Spital in Starnberg.
Während der ersten beiden Lehrjahre verlief die
Ausbildung wunderbar. Bewertungen, Noten,
Berufsschule alles lief wie am Schnürchen. Im letzten
Ausbildungsjahr taten sich dann einige Probleme
zusammen, sei es beruflicher oder privater Natur…so
dass ich mich immer weiter zurückzog aus dem Alltag…
…und jetzt sitze ich vor Ihnen Doc, und ich hoffe Sie
können mir helfen;

 

Kapitel II: Das Verhältnis Eltern-Walden


Ja, das Leben spielt schon oft verrückt mit einem ; Aber
was erzähl ich Ihnen da? Das wissen Sie selbst am
Besten;
Wenn ich rückblickend auf meine Kindheit zurückschaue,
stelle ich immer wieder fest, dass ich eigentlich relativ
hart erzogen wurde, und mir Gefühle im Sinne von
Umarmen, oder ein ich habe dich lieb von meiner Mutter
gefehlt haben. Nach der Scheidung zwischen Erich und
Monique übernahm meine Mum ebenso die Rolle des
Vaters; Verstehen Sie es nicht falsch, ich bin ihr überaus
dankbar dafür, aber so richtig erfahren, was Liebe
bedeutet, habe ich nicht. Ich wurde oft belehrt, was
Leistung ist, sei es schulisch oder beruflich. Muttern
lernte mir den Haushalt zu führen und auch die
handwerklichen Dinge – sie ist und war ein
Allroundtalent. Doch eines konnte sie mir nicht lernen,
wie man richtig mit Gefühlen umgeht.
Wenn ich als Kind weinen musste, dann hörte ich gerne
ein: „ Du bist ein Junge. Jungs weinen nicht !“ Daher
lernte ich schnell meinen Kummer und meine Ängste zu
verheimlichen und teilweise auch zu verbergen. Früh
verstand ich für mich also -  du hast Probleme, behalte
sie für dich und löse sie. Aber löse sie alleine, denn
niemand wird dir dabei helfen und dich unterstützen.
Natürlich habe ich auch viele Fehler  gemacht,  die das
Verhältnis  zu  meiner  Mutter  nicht  unbedingt  positiv
geprägt haben – wenn es mir mal wieder an Geld fehlte,
was nicht  selten der Fall  war,  so nahm ich gerne ihren
Geldbeutel und holte mir was ich brauchte. Geld und ich,
das  war  lange  Zeit  ein  Problem…ich  habe  immer
versucht  über  meinen  Verhältnissen  zu  leben  –  ich
denke, ich wollte irgendetwas darstellen was ich nicht bin
und  auch  nie  sein  werde.  Vielleicht  wollte  ich  so
Selbstachtung  vor  mir  erlangen,  ich  weiß  es  ehrlich
gesagt nicht mehr, aber vorstellbar wäre es durchaus.
Ebenso kann ich mich an einen Streit mit meiner Mutter
erinnern,  wobei  ich ein einziges mal  tätlich wurde….ich
wollte sie nur weg schubsen, sie ließ aber nicht ab -  ich
hab ihr dann einen heftigeren Stoß gegeben und sie fiel
in eine Glasvitrine.  Ich wollte sie niemals verletzen und
auch  nie  handgreiflich  werden,  hatte  ich  doch  zu  oft
erlebt  wie  Erich  die  Hand  gegen  Monique  und  mich
erhob.  Das waren für mich die schlimmsten Ereignisse,
und ich denke mir,  Mum wurde so kaltherzig im Bezug
auf  meine  Erziehung,  weil  sie  diese  Schläge  und
körperlichen sowie geistigen Misshandlungen Vaters auf
diese  Weise  verarbeitete,  mit  lass  keine  Gefühle
rankommen an dich – dann kannst du auch nicht verletzt
werden. Zurück zu meiner Handgreiflichkeit – es war das
Erste  und Einzige mal  in  meinem Leben,  das  ich  die
Hand  erhob  gegen  einen  Menschen,  welcher  mir  am
Herzen liegt. Und ich hasse mich auch heute noch dafür
–  das  war  ein  Fehler  den  ich  mir  niemals  verzeihen
möchte und vergeben kann….
Doc, meine Beziehung zu Erich…
.wie soll  ich sagen,  wir  hatten nie einen gemeinsamen
Nenner und auch nie ein Vater-Sohn-Verhältnis. Jedoch
gab es ein prägendes Erlebnis,  nein diesmal  nicht  mit
Prügelattacken,  sondern  aus  seinem Munde  während
eines Telefonats: „ Du bist den Namen Zoller nicht Wert,
du bist eine Schande für  die Familie!“  so hallt  es auch
heute noch in meinem Kopf. Der Anlass für dieses Zitat
seinerseits….ich  wollte  am Wochenende  nicht  zu  ihm
kommen ( Eltern waren da schon geschieden ), weil ich
auf die Geburtstagsfeier meines besten Freundes gehen
wollte.
Mit diesem Satz, der auch heute immer noch Nachdruck
verleiht,  war  das  Tischtuch  zwischen  uns  völlig
zerschnitten  und  ich  habe  auch  keine  Lust  und  kein
Verlangen  einen  Kontakt  zu  ihm und  seiner  NEUEN
Familie aufzubauen.
Wie heißt es bekanntlich: Man sieht sich immer zweimal
im Leben.  Und auch hier ließ mich das Schicksal  nicht
verschont.  Da mein Vater  immer  unzufrieden war,  und
mittlerweile Frührentner  ist,  fiel  ihm ein,  er  habe einen
arbeitenden Sohn, welcher ihn und seine Frau finanziell
unterstützen  könne,  sobald  er  in  einem  festen
Arbeitsverhältnis steht….
Butter bei  die Fische – er verklagt  mich auf Unterhalt…
als Dankeschön für  meine verkorkste Kindheit  – gerne
Erich, ich zahle jederzeit!
Früh lernte ich,  Frauen und Kinder  sollen mit  Respekt
behandelt  werden.  Ich war  und werde nie ein Mensch
sein,  der  seine Hand erhebt  – doch einmal  tat  ich es.
Niemals  mehr,  das  hab ich  mir  geschworen,  egal  wie
sauer ich bin, wie ausweglos eine Situation sich darstellt.
Kein Mensch auf Gottes Erde hat es verdient, von einem
anderen geschlagen zu werden.  Ich weiß nicht  warum,
aber ich weiß eines: Ich glaube diese Schläge in meiner
Kindheit haben mich geprägt, und mir auf der einen Seite
gezeigt,  dass  es  niemals  eine  Rechtfertigung  gibt
jemanden  tätlich  anzugreifen,  da  jeder  Mensch  doch
seines Glückes Schmied ist.  Im Gegenteil: durch Prügel,
macht man sich mehr Probleme als man eh schon hat –
es zerstört  Gefühle,  Liebe und Zwischenmenschliches.
Ein  weiterer  Fakt  der  mir  klar  wurde:  Selbstachtung
verliert man durch seine Taten ebenso – und wer selbst
mit  sich nicht  im Reinen ist,  besitzt  die Fähigkeit  nicht
andere  Menschen  um sich  herum zu  bereichern  oder
glücklich zu machen.  Das war  die lehrreichste Lektion
aus  dieser  Zeit  und  ich  denke  auch,  dass  es  die
Prägendste war.


Kapitel III: Walden und der Sport


Doc,  da Sie jetzt  schon einiges über  mich und meine
Familie kennen gelernt haben, würden Sie gerne wissen
ob ich Hobbies habe oder hatte. Ja, ich hatte ein Hobby
und ich sah es als Berufung…
…ich werde Ihnen erzählen, was es auch heute noch ist
und was ich dafür  alles getan habe.  Es fing eigentlich
ganz einfach an,  denn als kleiner  Junge mit  4 Jahren
nahm  mich  mein  Nachbar  einmal  mit  in  ein
Eishockeyspiel  des Schlittschuh-Clubs Rosenheim. Von
da an war ich infiziert mit dem Virus Hockey.
So meldete mich meine Mum beim SC Rosenheim an,
und  ich  erlernte  im  Alter  von  4  Jahren  das
Schlittschuhlaufen.  Mit  6  durfte  ich  bereits  bei  den
Bambini  antreten und mein damaliger  Trainer  erkannte
meine natürliche Begabung für diesen Sport. Er forderte
und  förderte  mich  nicht  nur  im  Mannschaftstraining
sondern  ich  erhielt  bei  ihm  auch  Privatstunden.  Er
machte  aus  mir  einen  Vollblutstürmer,  der  durch
Schnelligkeit,  Kaltschnäuzigkeit  und Cleverness schwer
auszuschalten war.  Durch  meine kleine,  hagere  Statur
konnte er natürlich keinen körperlich agierenden Spieler
aus mir formen, nein ich war ein kreativer Techniker, der
durch kluges und schnelles Denken punkten konnte.
Mit  8 durfte ich bereits bei  den Kleinschülern ran,  und
wurde  als  Jüngster  auf  Anhieb  Torschützenkönig  mit
einer  sensationellen  Quoten  von  62  Toren  aus  22
Spielen.
Angetrieben durch diesen Erfolg, wurde mein sportlicher
Ehrgeiz immer mehr und ich begann täglich mit dem Bus
ins Eisstadion zu fahren und trainierte 5 mal die Woche á
3  Stunden.  Es  war  mir  egal,  mit  welcher
Mannschaft…sogar  bei  den Profis durfte ich ab und an
mit trainieren. Es wuchs der Wunsch in mir mein Hobby
zu meinem Beruf zu machen.
Ich schaffte es in die Schülerbundesliga, die allerhöchste
Spielklasse, welche es in Deutschland gab, bereits mit 12
Jahren. Dabei sollte man wissen, dass die Jugendlichen
normal erst mit 13 dort spielberechtigt sind. Durch meine
clevere  Spielweise  und  meinen  Speed  auf  den
Schlittschuhen,  wurde  ich  als  jüngster  Spieler  dieser
Mannschaft  zweiter der Topscorerliste mit  102 Punkten.
Topscorer  bedeutet,  dass  die  erzielten  Tore  und  die
Torvorlagen addiert werden!
Mit  15  schaffte  ich  es  in  die  Deutsche
Nachwuchsnationalmannschaft  und  war  dort  einer  der
herausragenden Akteure.
Bislang  war  ich  von  größeren  Verletzungen  verschont
geblieben, ein gebrochener Daumen war das Maximum.
Ja, ab 16 trainierte ich eigentlich nur noch bei den Profis
mit, denn mein Weg war so skizziert, dass ich nach den
Nachwuchsteams  sofort  den  Sprung  in  die
Profimannschaft,  welche  in  der  1.  Bundesliga  spielte,
schaffen würde. Ich war stolz auf mich, auf meine Trainer
beim  SC  Rosenheim,  die  mir  jegliche  Unterstützung
gaben  in  meiner  sportlichen  Karriere,  und  ich  war
dankbar,  dass man mir  schulisch – hier  blieb natürlich
manches auf der Strecke – keine Knüppel  zwischen die
Beine warf.
Ich war drauf und dran meinen Traum zu Leben!
Doc,  Sie  wollen  wissen,  was  der  Schönste  Moment
meiner Karriere war?
Ich werde diesen Moment niemals vergessen..
..die Bilder spielen sich vor meinem Auge ab. Es war das
Endspiel  um die  Deutsche  Juniorenmeisterschaft.  Wir,
der SC Rosenheim, im heimischen Eisstadion gegen den
Erzrivalen aus Landshut.
Ich hatte kein gutes Spiel  gemacht  – es stand nach 60
regulären  Minuten  3:3!  Landshut  war  uns  deutlich
überlegen,  aber  konnte aus ihren zahlreichen Chancen
kein Kapital  schlagen. Es musste also die Verlängerung
entscheiden,  wer  Deutscher  Meister  wird….wir  alle
wussten, das nächste Tor entscheidet zwischen Sekt und
Selters.
Unser  Coach  nahm eine  Eiszeit  und  sagte  zu  mir:“
Walden, geh da raus, denk nicht nach und hau das Ding
rein.“ Ich weiß nicht warum, aber der Coach gab mir das
Vertrauen, obwohl ich in diesem Match wirklich schwach
war  – das heißt  kein Pass kam an,  keinen Zweikampf
gewann ich,  die Anspiele beim Bully verlor ich…alles in
Allem  es  klappte  rein  gar  nichts!  Doch  der  Trainer
schenkte mir und meiner Reihe das Vertrauen…
Doc, im Eishockey dauert eine Verlängerung 5 Minuten,
wer  das  Tor  erzielt  gewinnt,  das  sollte  ich  noch
anmerken.
Also gingen wir  Jungs raus aufs Eis..ich blickte in das
Rund  und  ca.  2000  Menschen,  was  für  ein
Nachwuchsspiel  eine  sensationelle  Kulisse  darstellt,
feuern uns an. Es gab mir den Extrakick Motivation, und
ich spürte, wenn du jetzt das Tor machst, bist du der Held
der  Saison,  solltest du aber  auf  dem Eis stehen,  wenn
Landshut  den  Titel  holt,  wirst  du  der  Loser  von
Rosenheim sein.
Wir standen beim Bully – die Anspannung war kaum zu
ertragen  –  der  Schiedsrichter  warf  den  Puck  ein,  ich
gewann das Anspiel  und leitete den Pass auf  meinen
Außenstürmer  weiter,  dieser  überlief  einen  Verteidiger
und  wir  hatten  eine  zwei  auf  eins  Situation  vor  dem
gegnerischen Torwart….
…ich  bekam den  Pass  in  die  Mitte  gespielt  und  lief
unmittelbar  auf  den  Landshuter  Schlussmann  zu,  ich
dachte nicht nach, folgte meinem Instinkt…
…nein,  ich schoss nicht,  ich spielte den Torhüter  aus,
wartete bis dieser mit einer Bewegung in meine Richtung
ging,  bremste  scharf,  und  hob  den  Puck  über  seine
Schulter hinweg in die Maschen!!!
Wir  hatten es geschafft,  wir  waren Deutscher  Meister,
niemals  hatte  ich  etwas  Schöneres  und  Größeres  in
meinem Leben erlebt.  Die Mannschaft  und der  Trainer
warfen sich auf mich, ich konnte es nicht realisieren, ich
hatte die Mannschaft zur Meisterschaft geschossen.
Die Zuschauer  jubelten und riefen im Chorus „Walden
Zoller  Eishockeygott“…was  war  das  für  ein  geiles
Gefühl…ich konnte es nicht fassen!
Doc, kennen Sie diesen einen Augenblick, wenn die Welt
im Einklang ist, man sich unbesiegbar fühlt…
ja, den kennen Sie?! Genau so einer war das…
..es war das Schönste was ich je erlebt hatte!
Der schlimmste Moment?
…da brauche ich nicht lange überlegen, ich machte mein
zweites  Spiel  bei  den  Profis  in  der  1.  Bundesliga,
eigentlich lief alles gut…ich fuhr hinter das Tor und wollte
den  Puck  einfach  nur  raus  spielen  in  Unterzahl…ich
stand mit  dem Rücken zum Tor  als ich einen heftigen
Schlag  in  meiner  Kniekehle  verspürte…ich  dachte  mir
nichts, lief ungefähr ein bis zwei Meter weiter und sackte
dann zusammen.  Die Sanitäter  holten mich vom Eis ,
zogen meine Knieschoner aus und sahen, dass das Knie
vollkommen  zertrümmert  war.  Sie  brachten  mich
umgehend in das Rosenheimer Klinikum, wo festgestellt
wurde,  dass  ich  einen  doppelten  Kreuzbandriss,  eine
Bruch  der  Patella,  und  einen  Knorpelschaden  davon getragen hatte.
Ich fragte also den behandelnden Arzt, wann ich wieder
aufs Eis zurückkehren könne …
…und wenn ich den Satz, welchen er mir zur Antwort gab
auch heute noch geistig vernehme,  bricht  der Schmerz
wieder  auf:  “Herr  Zoller,  Sie  werden  nie  wieder
Leistungssport  betreiben  können,  denn  ihr  Knie  wird
diesen Belastungen nicht wieder standhalten können.“
Ich war  fertig mit  der  Welt,  hatte ich doch alles dafür
gegeben einmal  ein Topeishockeyspieler zu werden und
jetzt sollte alles vorbei sein? Nein, ich konnte den Worten
nicht glauben, die der Mediziner mir entgegenwarf.
Aber doch, es stimmte…es war mit 17 Jahren das Ende
einer Karriere, die so vielversprechend begann.
Und auch heute noch, Doc…wenn ich im Eisstadion bin
und mir  Spiele ansehe,  schmerzt  es mich,  dass ich es
nicht  bin,  dem das Publikum zujubelt,  der  übers  glatte
Nass flitzt.  Es war  mein Traum, der  ein brutales Ende
fand.
Doc, mittlerweile habe ich es akzeptiert, dass es so ist…
..und  ich  erkannte  das  Freud  und  Leid  so  eng
beieinander stehen.
Jetzt wissen Sie alles über mein Hobby, denn auch heute
bin ich noch begeisterter Fan der Rosenheimer Jungs;)

 

 

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